Montag, 25. Februar 2008

nacht

ich habe malwieder eine kleine erzählung von mir ausgegraben. irgendwie wars schön das malwieder zu lesen:

es war nacht.

ich öffnete meine augen, jedoch war es nicht so schwer, als all die tage, an denen ich von meinem klirrenden wecker früh morgens geweckt wurde.
es ging ganz leicht, als hätte jemand meine lider an einen bindfaden geheftet und würde nun eifrig beginnen daran zu ziehen.
die schwere bettdecke schlug ich schnell zurück, jedoch empfing mich keine eiseskälte, wie an jenem dienstag, an dem ich von dem einen schlimmen erlebnis erfuhr, das mich im mark erschüttern ließ. leise schritte führten mich aus meinem zimmer. hellwach ging ich die treppen hinab, hinunter bis zur hauptstraße, die spärlich beleuchtet wurde, von laternen, mehrere meter vom erdboden entfernt. mein blick führte nicht nach oben, zu den künstlichen sonnen, auch nicht nach links, zu den überheizten wohnhäusern aber auch nach rechts, zu den spielplätzen, deren schaukeln nun einsam im frostigen wind hin- und her pendelten, sodass die schrauben, an denen sie befestigt waren, begannen leise, ganz leise zu quietschen. wohl vernahm ich das geräusch. sog es förmlich in mich hinein, ging jedoch schnell weiter. den blick auf mein ziel gerichtet.
ich ging auf ein feld, die erde war gefroren und bohrte sich in meine nachgebenden füße. langsam setzte ich mich nieder. so saß ich lange und atmete lange züge ein und aus. es war alles warm um mich herum. die nacht schenkte mir geborgenheit, in der ich mich wohlfühlte. man hatte das gefühl, als hätte nie ein mensch diesen ort gesehen, oder sogar betreten. ich schloss die augen. nun streckte ich meine beine aus, bis sie vollkommen gerade auf der erde lagen. ich lehnte mich zurück, bis mein rücken und mein kopf endlich die erde unter mir fanden. jetzt öffnete ich die augen und sah tausende sterne über mir. die nacht war kalt und klar. in diesem moment dachte ich an nichts und doch an alles in der welt. ich stellte mir die entfernung vor, von hier, bis in den kern der erde auf der ich lag. dachte über die entfernung nach, von hier bis zu dem mond, der die erde stets begleitet, treu und ergeben. ich stellte mir die kälteste kälte vor, die sich über mir befinden konnte. ich lag jedoch geborgen auf dem grund, den wir zuhause nannten. ein warmer fluss begann an meinem scheitel. er floss hinab über die augen, die nase, den mund, bis wenig später meine zehenspitzen erfüllt waren von ihm. ich spürte, wie ich eins wurde. mit der nacht, der luft, den sternen. eins mit den würmern in der erde, den steinen, dem sand, der welt.

und es wurde tag.

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